Werte messbar machen: Wie die Urban Innovation Vienna Unternehmen mit der Gemeinwohl-Bilanz zu mehr Diversität und Innovation begleitet
Eine Gemeinwohl-Bilanzierung macht sichtbar, was Finanzkennzahlen verbergen: den Beitrag für Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Die Urban Innovation Vienna (UIV) begleitet Unternehmen dabei, diese Werte greifbar zu machen. Wie faire Strukturen die Innovationskraft stärken und die Attraktivität für Fachkräfte steigern, zeigen Praxisbeispiele aus dem FTI-Bereich.
Finanzkennzahlen zeigen nur einen Teil der Wahrheit: Sie messen Gewinn, aber nicht den Beitrag eines Unternehmens für Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Genau hier setzt die Gemeinwohl-Bilanz an: als strategisches Instrument, um verborgene Stärken sichtbar zu machen und Innovationskraft freizusetzen.
Als Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien und Unternehmen der Wien Holding unterstützt die Urban Innovation Vienna (UIV) Organisationen dabei, die Bilanzierung in einen strategischen Entwicklungsprozess zu überführen und in konkrete Wettbewerbsvorteile zu übersetzen. Von der Hafen Wien bis zur Schachinger Logistik Holding zeigen Praxisbeispiele, wie faire Strukturen und transparente Prozesse die Unternehmenskultur stärken, die Arbeitgeberattraktivität steigern und neue Ideen fördern.
Vom Reporting zum strategischen Prozess
Grundlage der Gemeinwohl-Bilanz ist eine Matrix mit 20 Themenfeldern. Betrachtet wird, wie ein Unternehmen mit Mitarbeitenden, Kund:innen, Lieferant:innen, der Umwelt und der Gesellschaft umgeht, von Nachhaltigkeit und Fairness über Transparenz und Mitbestimmung bis zu sozialer Verantwortung.

„Durch langfristige Begleitung bringt die UIV Unternehmen vom bloßen Reden ins Tun“ so formuliert es Alexandra Radl-Hanzal, Leitung Social Sustainability & Gemeinwohl-Beratung der UIV. Der Prozess läuft über mehrere Monate: In Workshops werden unterschiedliche Bereiche eingebunden, bestehende Maßnahmen reflektiert und Informationen gesammelt. Am Ende steht nicht nur ein Bericht, sondern ein klares Bild davon, was bereits gut funktioniert und wo Entwicklungsmöglichkeiten liegen.
Anders als ESG-Ratings oder klassische Nachhaltigkeitsberichte versteht sich die Gemeinwohl-Bilanz nicht als reines Reporting, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess in einer 360-Grad-Perspektive. Diversität wird dabei nicht als isoliertes HR-Thema behandelt, sondern als Teil der gesamten Unternehmensentwicklung. Reflektiert wird etwa, wie fair Entwicklungsmöglichkeiten verteilt sind, wie gut Vereinbarkeit funktioniert und wie stark Mitarbeitende eingebunden werden. Im bereichsübergreifenden Austausch wird oft erstmals sichtbar, wo starke Ansätze bestehen und wo blinde Flecken liegen. Daraus entstehen konkrete Verbesserungen, etwa neue Beteiligungsformate oder flexiblere Arbeitsmodelle.
Auch die Innovationskraft profitiert. Denn Innovationsfähigkeit entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammenkommen. Gemeinwohlorientierte Strukturen wie Transparenz und faire Zusammenarbeit fördern eine Kultur, in der Ideen leichter entstehen. Die Bilanzierung selbst wirkt dabei oft als Innovationsprozess: Sie regt an, bestehende Routinen zu hinterfragen und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Praxisbeispiel Hafen Wien: Struktur statt Zufall
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Hafen Wien. In der traditionsreichen Logistikbranche war die Bilanzierung ein wichtiger Impuls, Diversität, Chancengleichheit und Mitarbeiterbeteiligung strukturierter zu betrachten. Viele Maßnahmen existierten bereits, wurden durch die 360-Grad-Perspektive aber erstmals gesamthaft sichtbar und bereichsübergreifend reflektiert.
In Zusammenarbeit mit dem Innovationslabor Thinkport Vienna und dem internen Innovationsmanagement „Gemeinsam Gestalten“ bindet der Hafen Mitarbeitende aktiv in Veränderungsprozesse ein. Das Ergebnis: eine konkrete Maßnahmenliste, die nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. Geschäftsführerin Doris Pulker-Rohrhofer fasst die Wirkung so zusammen: „Für uns ist die Gemeinwohl-Bilanz kein Abschluss, sondern ein klarer Auftrag, den Hafen Wien als zukunftsfitten, verantwortungsvollen und nachhaltigen Standort weiterzuentwickeln.“
Schachinger Logistik: Langfristiger Wert statt kurzfristigen Gewinns
Ein weiteres anschauliches Beispiel für die langfristige Wirkung der Gemeinwohl-Bilanz ist die Schachinger Logistik Holding GmbH. Das Unternehmen hat bereits 2014 ihre erste Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Mit einem 2022 eingeführten ESG-Cockpit, einer engagierten Steuergruppe und breiter Einbindung der Mitarbeitenden entwickelte sich das Unternehmen kontinuierlich weiter und erreichte 2023 eine außergewöhnlich starke Gemeinwohl-Bilanz.
Im aktuellen Re-Bilanzierungsprozess hat sich der Fokus bereits vom „Warum“ zur konkreten Umsetzung verschoben. Das Beispiel zeigt, wie Gemeinwohlorientierung, strategische Steuerung und professionelle Nachhaltigkeitsinstrumente zusammenwirken, um Resilienz, Innovationsfähigkeit und langfristige Wirkung zu stärken.
Starten kann grundsätzlich jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche, entscheidend sind Offenheit, Reflexionsbereitschaft und Rückhalt der Führungsebene. OekoBusiness Wien fördert die Bilanzierung aktuell mit bis zu 50 Prozent der Beratungskosten.
Drei Empfehlungen für mehr Diversität und Innovationskraft durch die Gemeinwohl-Bilanz aus der UIV Urban Innovation Vienna
- Lass dich von deinen Werten leiten. Klar definieren, wofür das Unternehmen steht, daraus lassen sich strategische Ziele, konkrete Maßnahmen und passende KPIs ableiten. Werteorientierung wirkt, wenn sie in Entscheidungen und Prozesse übersetzt wird.
- Sorge für bereichsübergreifenden Austausch. Diversität entfaltet ihre Wirkung dann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, Altersgruppen und Funktionen gemeinsam reflektieren und gestalten.
- Nimm bewusst neue Blickwinkel ein. Die Arbeit entlang der Stakeholdergruppen und der 20 Gemeinwohl-Themen lässt ein Unternehmen sich selbst aus neuen Perspektiven betrachten, so entstehen Ideen und konkrete Ansatzpunkte.