Wenn Vielfalt Energie freisetzt: Wie der Verbund Innovation neu organisiert
Wie technologische Offenheit, unternehmerischer Pragmatismus und gelebte Vielfalt beim Energieversorger Verbund AG zusammenspielen – und warum die Energiewende auch eine Kulturfrage ist.
Die Energiewende entscheidet sich längst nicht mehr nur in Kraftwerken oder an Strombörsen. Sie entsteht dort, wo neue Technologien erprobt, Daten intelligent genutzt und Kooperationen schneller umgesetzt werden, als es klassische Planungszyklen erlauben. Beim Energieversorger Verbund ist dieses Verständnis in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Treiber geworden – sichtbar in der Innovationsplattform Verbund X, im Corporate Venture Capital und in strukturierten Pilotprojekten mit Startups. Weiterentwicklung und Wandel entstehen hier durch das kontinuierliche Ausprobieren neuer Lösungen. „Wir sollten nicht groß verhandeln, sondern einfach Dinge tun“, bringt es Franz Zöchbauer, Managing Director von Verbund X, auf den Punkt.
Künstliche Intelligenz zur Prognose von Erzeugung und Stromflüssen, neue Speichertechnologien oder digitale Plattformen für Netze werden nicht nur beobachtet, sondern aktiv getestet. Dieser pragmatische Zugang prägt die Innovationsstrategie des Unternehmens[SM3] . Der Konzern investiert gezielt in Technologien, die für die Energietransformation entscheidend sind. Venture Capital versteht man dabei nicht als Selbstzweck, sondern als strategisches Werkzeug. „Für uns geht es nicht nur um Rendite“, sagt Zöchbauer. „Es geht darum, früh Zugang zu Technologien, Talenten und neuen Denkweisen zu bekommen.“

Der Bereich Corporate Innovation & New Business dient dabei als zentrale Schnittstelle im Unternehmen, koordiniert Aktivitäten, sorgt für Transparenz und fördert den Austausch zwischen den unterschiedlichen Ressorts und Mitwirkenden.
Technologische Offenheit nach außen braucht eine solche auch nach innen: Einmal im Jahr werden besondere Projekte vor den Vorhang geholt, um die Mitarbeiter:innen zu inspirieren und sie zu ermutigen, neue Perspektiven einzunehmen. Interaktive Breakout-Formate, Panel-Diskussionen oder Kamingespräche schaffen einen Tag voller wertvoller Impulse, interdisziplinärem Wissensaustausch und einzigartiger Vernetzungsmöglichkeiten. 2025 fand der „Innovation Day“ unter dem Motto „AI for All – Enabling Tomorrow’s Innovators“ statt und bot 170+ Teilnehmer:innen einen inspirierenden Rahmen, in welchem sie sich tiefgehend mit Künstlicher Intelligenz und ihren Anwendungsfällen in der Energiebranche auseinandersetzen konnten.
Ergänzt werden diese Programme durch sogenannte „Innovation Councils“: Drei bis vier Mal pro Jahr tauschen sich die einzelnen Innovationsverantwortlichen in den jeweiligen Verbund-Gesellschaften und -Bereichen zu verschiedensten Vorhaben aus – nicht zuletzt, um auch Querschnittsthemen gemeinsam zu bearbeiten. Ein weiteres Format, das gezielt die Management-Ebene des Konzerns anspricht, ist die jährliche Innovationsreise. Innerhalb von zwei Tagen taucht die Unternehmens-Delegation in andere Innovations-Ökosysteme ein (beispielsweise in München, Berlin, Zürich oder London) und erhält so neue Impulse für zukünftige Innovationsvorhaben.
Ein ganz zentrales Element dieser auf Lernfähigkeit ausgerichteten Kultur sind die Employee Ressource Groups: Vier ERGs – für Frauen, Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, queere Mitarbeitende sowie Unter-35-Jährige – vereinen rund 1.000 aktive Mitglieder. Sie werden nicht als Nebenprojekte behandelt, sondern sind Teil eines Organisationsverständnisses, das Vielfalt als Voraussetzung für Entwicklung und positive Veränderung begreift. Zeitliche wie finanzielle Ressourcen werden bewusst bereitgestellt, ergänzt durch Mentoring-Programme, etwa im Rahmen des Potenzialkräfteprogramms, das gezielt unterrepräsentierte Gruppen stärkt.
„Gerade bei komplexen Herausforderungen wie der Energiewende brauchen wir Menschen, die Dinge unterschiedlich sehen“, ist Zöchbauer überzeugt. „Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Blickwinkel zusammenkommen.“ So entsteht bei Verbund ein Gesamtbild, das für transformierende Industrien zunehmend relevant wird: Fortschritt als gut orchestriertes Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zöchbauer: „Wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen, müssen wir heute investieren – in Technologien genauso wie in Zusammenarbeit.“
Drei Maßnahmen für ein systematisches Innovations- und Ideenmanagement aus der Geschäftsführung der Verbund AG
- Dedizierte Ressourcen & Governance für Innovation: Innovationsarbeit braucht Zeit, Budget, Gewicht und eine Strategie. Schaffen Sie klare Rollen, ermöglichen Sie geschützte Experimentierräume (Pilotprojekte, Förderung von Innovationsprojekten durch dezidierte Budgetmittel) und verankern Sie Innovation auf Management-Ebene. Nur so entsteht langfristiges Commitment statt punktueller Initiativen.
- Cross-funktionale Innovationsformate (z. B. Acceleratoren, oder Austauschformate) Fördern Sie gezielt die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg – etwa durch Acceleratoren-Programme, Sprint-Formate oder gezielte Workshop- und Austauschmöglichkeiten. Diese Formate beschleunigen Problemlösung, bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen und machen Innovation erlebbar statt theoretisch.
- Klare Innovationsstrategie mit messbaren Zielen: Definieren Sie eine klare Innovationsstrategie, die aus der Unternehmensstrategie abgeleitet ist: Welche Themen, Technologien und Geschäftsmodelle sind relevant – und welche bewusst nicht? Klare strategische Suchfelder, priorisierte Use Cases sowie messbare Ziele geben Orientierung, fokussieren Ressourcen und machen Innovationsaktivitäten steuerbar und wirksam.