Stahl, Schrauben, Schwerlast – und Vielfalt: Wie der Kranhersteller Palfinger Diversität zum Innovationshebel macht
Bei Palfinger, dem international erfolgreichen Hersteller von Kran- und Hebelösungen, wird das traditionelle Bild des Maschinenbaus systematisch aufgebrochen. Wie das Unternehmen mit weltweit 12.350 Mitarbeitern kulturellen Wandel zur Innovationsteigerung nutzt – und was andere davon lernen können.
„In vielen Köpfen gilt noch immer die Gleichung Maschinenbau gleich männliches Team“, sagt Maria Koller, Chief Human Resources Officer (CHRO). „Das entspricht längst nicht mehr der Realität – umso mehr müssen wir aktiv daran arbeiten, dieses Bild zu verändern.“
Palfinger ist heute ein weltweit führender Produzent und Anbieter von Kran- und Hebelösungen, mit 30 Produktionsstandorten rund um den Globus. Innovation spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch in der Organisation. Denn die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungskette, smartere Komplettlösungen und internationale Märkte verlangen neue Kompetenzen. Und damit auch neue Profile.
Innovation als Treiber kultureller Veränderung
HR ist bei Palfinger längst kein administrativer Bereich mehr, sondern Teil der strategischen Steuerung. Seit 2024 verantwortet Maria Koller als CHRO die kulturelle Weiterentwicklung des Konzerns. „Diverse Teams tragen maßgeblich zum Erfolg bei“, betont sie. „Wenn wir global erfolgreich sein wollen, brauchen wir unterschiedliche Perspektiven – kulturell, fachlich und geschlechterspezifisch.“
Innovation erzeugt hier konkrete Veränderung. Neue digitale Geschäftsmodelle, datengetriebene Services und vernetzte Produktionsprozesse erfordern interdisziplinäre Teams. Ingenieur:innen arbeiten mit IT-Spezialist:innen, internationale Projektteams koordinieren über Kontinente hinweg. Vielfalt entsteht nicht nur aus einem gesellschaftlichen Anspruch heraus, sondern aus einer technologischen Notwendigkeit.
Um diese Entwicklung zu begleiten, setzt Palfinger mit der neuen Strategie 2030+, auf einen starken Dreiklang aus Strategie, Marke und Kultur. Dabei richtet sich Führung klar an Kundennutzen, profitablem Wachstum und exzellenter Umsetzung aus. Gleichzeitig stärkt die weiterentwickelte Kultur den Anspruch „Immer besser“ – getragen von den Werten leidenschaftlich, geradlinig und führend. Entwicklungs- und Trainingsprogramme schaffen zusätzlich Bewusstsein für Diversität und kulturelle Unterschiede. „Wenn ich eine internationale und diverse Kultur leben will, sind Vorbilder mehr wert als jede Schulung“, sagt Koller. Führungskräfte spielen daher eine Schlüsselrolle – nicht nur als Entscheider, sondern als Multiplikatoren.
Mädchen für Technik begeistern
Ein besonders sichtbares Feld ist die Förderung von Frauen in technischen Berufen. Bei den Techniklehrlingen liegt der Frauenanteil bereits bei 25 Prozent – für einen Industriebetrieb ein bemerkenswerter Wert. „Das ist großartig“, sagt Koller, „aber da geht noch mehr.“
Palfinger unterstützt gezielt Initiativen wie MINTALITY oder die MINT Girls Challenge, um Mädchen frühzeitig für Technik zu begeistern. Recruiting- und Promotion-Prozesse wurden angepasst, um Bewerberinnen gezielt anzusprechen und strukturelle Hürden abzubauen. „Frauen trauen sich oft weniger zu, als sie tatsächlich können“, so Koller. „Da müssen Unternehmen ermutigen – manchmal fast ein bisschen anschieben.“
Innovation wirkt hier doppelt: Neue Technologien schaffen attraktivere Berufsbilder, moderne Arbeitsumgebungen und internationale Karrierewege. Gleichzeitig verändert die wachsende Diversität die Unternehmenskultur. Teams werden internationaler, Kommunikationsformen offener, Hierarchien durchlässiger.
Die Abteilung „People Development & Culture“ bündelt Initiativen wie flexible Arbeitsbedingungen und internationale Austauschformate und sorgt dafür, dass Innovations- und Kulturarbeit zusammengedacht werden. Die Botschaft dahinter ist klar: Und wer Diversität ernst nimmt, muss Strukturen schaffen, die Beteiligung ermöglichen. Denn wer in einer global vernetzten Industrie agiert, kann Innovation nicht ohne Vielfalt denken.
Drei Empfehlungen für ein systematisches Innovations- und Ideenmanagement aus der Praxis von Palfinger
- Innovation strategisch verankern: HR und Kulturentwicklung sollten auf Vorstandsebene angesiedelt sein, damit Innovations- und Diversitätsziele verbindlich gesteuert werden können.
- Führungskräfte als Multiplikatoren entwickeln: Klare Werte und begleitende Trainings schaffen den Rahmen für diverse Teams.
- Frühzeitig Talente fördern: Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und MINT-Initiativen helfen, unterrepräsentierte Gruppen gezielt für technologische Berufe zu gewinnen und nachhaltig einzubinden.