LGBTIQ-Diversity in Wiener Unternehmen – Status quo, Wirkung und Zukunftspotenzial
Eine neue Studie der KMU Forschung Austria zeigt, wo Wiener Unternehmen beim Thema LGBTIQ-Diversity stehen – und was sie gewinnen, wenn sie Vielfalt strategisch verankern.
Vielfalt wirkt – auch in der Dimension LGBTIQ.
Immer mehr Wiener Unternehmen verstehen LGBTIQ-Diversity als Bestandteil moderner Unternehmenskultur – und als klaren Wettbewerbsfaktor. Im Auftrag der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien wurde erstmals umfassend untersucht, wie Unternehmen geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung in ihr Diversity Management integrieren.
Zentrale Erkenntnisse
- 61 % der befragten Unternehmen setzen sich aktiv für Vielfalt ein.
Davon berücksichtigen 38 % auch LGBTIQ-Aspekte – also mehr als jedes dritte engagierte Unternehmen. - 23 % der Betriebe fördern Diversität, ohne LGBTIQ-Themen explizit einzubeziehen.
- Vier von zehn Unternehmen verfolgen bislang keine Aktivitäten zur Förderung von Chancengleichheit. Als Hauptgrund nennen sie mangelnde Relevanz oder fehlenden Bedarf.
Besonders aktiv sind große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und Betriebe im Dienstleistungssektor. Neben LGBTIQ stehen meist auch Geschlecht, Alter und kulturelle Herkunft im Fokus ihrer Diversity-Maßnahmen. In kleineren Betrieben bleibt Vielfalt oft informell – getragen von Führungsvorbildern und Teamkultur.
Treiber und Hürden
Motivation:
Hauptmotive sind Mitarbeiterzufriedenheit, ethische Verantwortung, Arbeitgeberattraktivität und ein besseres Arbeitsklima. Für viele ist LGBTIQ-Diversity längst Teil der sozialen Verantwortung – und ein Beitrag zur Fachkräftesicherung.
Herausforderungen:
Fehlende Ressourcen, Expertise und Erfolgsmessung erschweren die Umsetzung. 57 % der befragten Betriebe holen sich daher externe Unterstützung, etwa von Netzwerken wie Pride Biz Austria oder spezialisierten Trainer:innen.
Maßnahmen mit Wirkung
Umgesetzte Initiativen in LGBTIQ-freundlichen Unternehmen umfassen:
- Genderinklusive Kommunikation in Sprache und Bildwelten
- Sensibilisierungstrainings für Führungskräfte und Mitarbeitende
- Self-ID-Prozesse (freiwillige Selbstidentifikation)
- Programme zur psychischen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
Diese Maßnahmen werden breit akzeptiert und zeigen deutliche Effekte:
- Besseres Arbeitsklima
- Höhere Zufriedenheit und Bindung
- Mehr Innovationskraft durch vielfältige Perspektiven
- Positives Feedback von Kund:innen und Geschäftspartner:innen
Fazit: Wien ist auf gutem Weg – mit Potenzial nach oben
Mehr als ein Drittel der Wiener Unternehmen setzt bereits gezielte LGBTIQ-Maßnahmen um, während rund 40 % das Thema noch nicht adressieren. Die Studie zeigt deutlich: LGBTIQ-Inklusion ist nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern auch wirtschaftlich klug.
Empfehlungen der KMU Forschung Austria:
- Strategische Verankerung von LGBTIQ-Diversity in Leitbild und Unternehmensstrategie
- Top-down-Unterstützung durch Geschäftsführung und HR
- Regelmäßige Erfolgsmessung und Nutzung externer Expertise
- Offene Kommunikation, die Zugehörigkeit und psychologische Sicherheit stärkt
Gerade für technologieorientierte Unternehmen bietet die Verankerung von LGBTIQ-Diversity einen klaren Standortvorteil: Sie erschließen neue Perspektiven, fördern psychologische Sicherheit in Teams und stärken ihre Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte. LGBTIQ-Diversity ist damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für Zukunftsfähigkeit und Innovation.

Über diese Publikation
Quelle: KMU Forschung Austria und IDA | Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung im Auftrag der Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik und Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt) sowie der Wirtschaftskammer Wien
Titel: Diversity Management in der Dimension LGBTIQ in Wiener Unternehmen
Publikationsformat: Studie
Erscheinungsjahr: 2025
Erhebungsgebiet: Wien