Frauen in Österreichs Arbeitswelt – Lohnschere, MINT-Lücke & Drehtüreffekt (IHS)

Frauen sind besser ausgebildet als je zuvor. Trotzdem verdienen sie weniger, steigen seltener auf und verlassen Tech-Berufe häufiger als Männer. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat 2024 eine umfassende Analyse der Ursachen für Einkommensunterschiede und Berufssegregation in Österreich vorgelegt.

Die IHS-Studie beleuchtet, warum Bildungsfortschritte der Frauen nicht automatisch zu beruflicher Gleichstellung führen und welche strukturellen Mechanismen den Wandel bremsen. 

Kernaussagen

  • 25%-Faktor: Rund ein Viertel des arbeitszeitbereinigten Einkommensunterschieds (Einkommen wird verglichen, nachdem Unterschiede in der Arbeitszeit berücksichtigt werden) zwischen Frauen und Männern ist auf die Geschlechtersegregation, die Aufspaltung in typische Frauen- und Männerberufe, zurückzuführen. 
  • MINT-Diskrepanz: 51 Prozent der Männer in Österreich haben einen MINT-Abschluss (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) als höchste Ausbildung – bei Frauen sind es lediglich neun Prozent. Da MINT-Berufe deutlich besser bezahlt werden als frauendominierte Bildungs-, Gesundheits- und Sozialberufe, trägt diese Wahl direkt zur Lohnschere bei.
  • Bildungsaufstieg nicht gleich Gleichstellung: Trotz höherer Qualifikationen bestehen weiterhin deutliche Gender Gaps bei Einkommen und in Entscheidungspositionen.
  • Drehtüreffekt (Revolving Door): Frauen, die ursprünglich in männerdominierten MINT-Berufen tätig sind, scheiden nach einiger Zeit häufig wieder aus. Ursachen: männlich dominierte Arbeitsatmosphäre, soziale Diskriminierung, fehlende Vereinbarkeit.
  • Geringes Matching: Nur 28 Prozent der Frauen mit MINT-Ausbildungen arbeiten tatsächlich in einem MINT-Beruf – bei Männern sind es 57 Prozent. Fast drei Viertel der qualifizierten Frauen gehen dem Sektor verloren. 
  • Frühere Weichenstellung: Die entscheidenden Weichen werden bereit im österreichischen Schulsystem gestellt und verfestigen sich durch strukturelle Barrieren im Berufsleben.

Empfehlungen für Unternehmen

  • Aktive Maßnahmen gegen den Drehtüreffekt: inklusive Arbeitskultur schaffen, Diskriminierung systematisch entgegentreten
  • Mehr Angebote schaffen, damit sich Familie und Arbeit in MINT-Berufen besser vereinbaren lassen
  • Mädchen früh für MINT-Fächer begeistern und sie bereits in der Schule gezielt unterstützen
  • Transparente Gehaltsstrukturen und Karrierepfade einführen, um strukturelle Lohngleichheit sichtbar zu machen

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Presseaussendung

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Über diese Publikation
Quelle: Institut für Höhere Studien (IHS)
Titel: Geschlechtersegregation in Bildung und Beruf im Kontext von sozialem Fortschritt
Publikationsformat: Studie
Erscheinungsjahr: 2024
Erhebungsgebiet: Österreich