ECGI 2023: Wissenschaftliche Belege für den finanziellen Nutzen von DEI
Eine wissenschaftliche Untersuchung des European Corporate Governance Institute (ECGI) liefert erstmals robuste empirische Belege für den Zusammenhang zwischen gelebter Diversity, Equity und Inclusion und messbarem Unternehmenserfolg. Die Studie zeigt: DEI ist ein handfester Wettbewerbsvorteil.
Die Studie nutzt eine innovative Methodik: Statt Kennzahlen analysiert sie die Antworten von durchschnittlich 250 Mitarbeitenden pro Unternehmen auf 13 spezifische Fragen aus der „Great Place to Work“-Befragung, die direkt Diversity, Equity und Inclusion erfassen.
Dieser „Grass-roots“-Ansatz erfasst die tatsächlich gelebte Kultur – nicht das, was im Nachhaltigkeitsbericht steht, sondern das, was Mitarbeitende täglich erleben. Die Stichprobe umfasst 2.003 börsennotierte US-Unternehmen über 16 Jahre (2006–2021) mit insgesamt 24.467 Beobachtungen.
Zentrale Erkenntnisse
DEI steigert die Profitabilität messbar
Unternehmen mit hohen DEI-Werten erzielen signifikant bessere Finanzergebnisse: Die Gesamtkapitalrendite (ROA) liegt um 0,8 Prozentpunkte höher, die Marktbewertung (Tobin’s Q) steigt um 0,32 Punkte. DEI zahlt sich direkt in der Bilanz aus.
Innovation durch Vielfalt – besonders in F&E (Forschung & Entwicklung)
In wissensintensiven Bereichen führt hohe DEI-Wahrnehmung zu messbarem Innovationserfolg. Bei R&D-Mitarbeitenden bedeutet ein höherer DEI-Score 121 % mehr Patentzitationen. Kognitive Vielfalt und psychologische Sicherheit schaffen nachweislich bessere Ideen.
Markterwartung – Der Kapitalmarkt unterschätzt DEI noch
Trotz besserer Profitabilität wird DEI vom Aktienmarkt noch nicht vollständig eingepreist. Unternehmen mit hohen DEI-Scores liefern regelmäßig positive Gewinnüberraschungen – eine Chance für zukunftsorientierte Investoren.
Kultur-Check – DEI ist mehr als Demografie
Der DEI-Score korreliert nur schwach (max. 0,17) mit klassischen Diversitätskennzahlen wie Frauenquoten. Entscheidend ist nicht nur, wer im Unternehmen arbeitet, sondern wie Menschen behandelt werden – ob sie sich psychologisch sicher fühlen, ob Fairness herrscht, ob Zugehörigkeit erlebt wird.
HR-Maßnahmen – Gezielte Maßnahmen wirken, generische nicht
Allgemeine HR-Maßnahmen wie Homeoffice oder Sabbaticals zeigen keinen Effekt auf DEI. Was hingegen wirkt: Der Anteil von Frauen im operativen Senior Management – und zwar über alle demografischen Gruppen hinweg, nicht nur bei Frauen selbst. Dies deutet auf echte kulturelle Veränderungen hin, nicht nur auf Symbolpolitik.
Fazit: DEI als strategischer Erfolgsfaktor
Die ECGI-Studie liefert die bislang umfassendste wissenschaftliche Evidenz dafür, dass DEI nicht nur ein ethisches Gebot, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist. Die Ergebnisse sind eindeutig:
- Höhere Profitabilität über multiple Kennzahlen (ROA, ROS, Gewinn pro Mitarbeitendem)
- Stärkere Innovation bei Fachkräften mit hoher DEI-Wahrnehmung
- Bessere Marktbewertung, die aber noch Luft nach oben hat
- Kein Widerspruch zwischen DEI und Performance – im Gegenteil
Für Führungskräfte bedeutet dies: Wer DEI als Priorität behandelt, investiert nicht in Symbolpolitik, sondern in messbare Wettbewerbsvorteile. Entscheidend ist dabei, DEI nicht auf Quoten zu reduzieren, sondern als umfassende Kulturveränderung zu verstehen – eine, die psychologische Sicherheit, Fairness und echte Zugehörigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Über diese Publikation
Quelle: European Corporate Governance Institute (ECGI); Autoren: Alex Edmans (London Business School), Caroline Flammer (Columbia University), Simon Glossner (Federal Reserve Board)
Titel: Diversity, Equity, and Inclusion
Publikationsformat: Wissenschaftliches Working Paper
Erscheinungsjahr: 2023
Erhebungsgebiet: USA (börsennotierte Unternehmen, Zeitraum 2006–2021)
Sprache: englisch